Interview mit Thomas Lay

Warum Kooperationen zwischen kleinen und großen Vereinen Quatsch sind - ein Interview mit Thomas Lay

Thomas Lay (rechts) - 43 Jahre alt - kfm. Angestellter und leidenschaftlicher Schwimmer

Bildquelle: NISEI FOTOS

Hallo Thomas, wie ging's los mit dem Handballsport?

 

Im Alter von 12 Jahren fing ich mit dem Handball, in meinem Geburtsort Eisenhüttenstadt, an. Zwei Jahre später durfte ich zur Sportschule (Kaderschmiede des Ostens) und durchlief dort den Jugendbereich. Meine Leistungen erlaubten es, den Weg im professionellen Bereich weiterzugehen.

 

Durch die Wiedervereinigung kam mein Lebensweg ins Stocken und ich musste umdisponieren.

 

So verließ ich die Sportschule, da die Zukunft des DDR-Projekts ungewiss war, in Richtung Heimat. Dort spielte ich noch ein Jahr in der DDR-Liga (zweite Liga zum damaligen Zeitpunkt) gegen Handballgrößen wie Benno Woite und Hans-Georg (Hansi) Beyer.

 

Wie ging es dann weiter bis nach Ostwestfalen?

 

Meine Leistungen als 17-jähriges Talent haben anscheinend einigen imponiert und so kam es zum Wechsel nach Hameln. Hier drehte sich die Welt komplett, viele Weltstars wie Wieland Schmidt, Frank-Michael Wahl, Stephan Hauck und viele mehr..

 

Für mich kam vieles auf einmal, Ausbildungsbeginn, Suche nach meinem handballerischen Dasein und ein neues Umfeld in einer neuen Gesellschaft – Wahnsinn!  Auf der Suche nach noch mehr Spielanteilen in einer ambitionierten Mannschaft unterschrieb ich einen Vertrag beim damaligen Zweitligisten Spvg Versmold.

 

Leider stieg Versmold vor meinem Vertragsbeginn ab und wir starteten das Projekt Wiederaufstieg.

 

Wie ging es dann als Trainer los?

 

Nach zwei Kreuzbandrissen im Jahr 1997 war meine Karriere im höherklassigen Handball beendet. Nach einjähriger Pause stieg ich bei den SF Loxten ein und durfte noch zwei Aufstiege miterleben, ehe ich ins Trainergeschäft einstieg.

 

Loxten hat mir die Möglichkeit gegeben in diesen Bereich reinzuschnuppern und gab mir erst die zweite Mannschaft und später die B-Jugend an die Hand. Nach einer zweijährigen beruflichen Weiterbildung übernahm ich die TG Hörste.

 

Die damalige Mannschaft kämpfte mit stumpfen Waffen im Abstiegskampf, den wir auch in meiner ersten Saison verloren haben.

 

 

Mit Jugendspielern statt stumpfen Waffen

 

 

Die Jugendarbeit des Vereins war sehr vielversprechend und ich übernahm einen Jugendspieler nach dem nächsten ins Seniorenteam, was sich auszahlen sollte.

 

Wir stiegen dann innerhalb von 3 Jahren zweimal auf und ich gab die Mannschaft als Verbandsligist ab. Nach meiner vierjährigen Tätigkeit in Hörste gab es wieder Kontakt zu den SF Loxten und wir konnten uns auf eine Zusammenarbeit einigen.

 

Wie bewertest du den bisherigen Saisonverlauf mit Sportfreunde Loxten?

 

Wir sind sehr gut gestartet, mit 8:2 Punkten grüßten wir nach 5 Spieltagen als Spitzenreiter. Danach mussten wir feststellen, dass man sich alles hart erarbeiten muss, um weiter erfolgreich zu bleiben. Wenn man nicht 100% bereit ist, wird man in der Oberliga Westfalen nicht als Sieger vom Spielfeld gehen.

 

Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?

 

Verbesserungspotenzial sehe ich in der Abwehr und im Kleingruppenspiel. Darauf laufen fast alle Spielsituationen nach Auslösehandlungen hinaus.

 

Kannst du dazu deine Lieblingsübung vorstellen oder welche Komponenten da besonders wichtig sind?

 

Da gibt es keine Lieblingsübung, die Vielfalt macht es aus. Besonders wichtig ist das kooperative Spiel zwischen benachbarten Positionen in Verbindung mit den individuellen Stärken jeden einzelnen Spielers.

 

Lieber einmal mehr in der Halle als ein 10.000 Meter Lauf

 

Handball spielt in der Region der Spfr. Loxten eine große Rolle. Wie kann ein Verein sich aufstellen, damit er in der Zukunft die Qualität hält und vielleicht auch noch eine oder zwei Ligen aufsteigt?

 

Wir müssen versuchen junge talentierte Spieler der Region an uns zu binden und sie weiterzuentwickeln. Dazu brauchen wir aber auch noch die Routine der etwas älteren Spieler, die in entscheidenden Spielsituationen die größere Ruhe ausstrahlen sollten und ein Spiel in erfolgreiche Bahnen lenken.

 

Was ist deine persönliche Trainingsphilosophie?

 

Ich möchte, dass sich jeder Spieler weiterentwickelt und irgendwann seinen Teil zum Erfolg beiträgt. Wir möchten Druck und Torgefahr von allen Positionen erzeugen und somit den Gegner vor Aufgaben stellen. Im Idealfall wäre es super, alle Spieler ersetzen zu können und dadurch immer wieder neue, frische Impulse zu setzen. Deshalb steht die handballerische Komponente ganz oben – lieber einmal mehr in die Halle, als den 10.000m Lauf!

 

Was würdest du aufstrebenden Trainern als Tipp mit auf dem Weg geben?

 

Für junge Trainer ist es meiner Meinung nach wichtig einen eigenen Plan zu haben. „Wie soll mein Handball aussehen!“ Im Rahmen der Trainerausbildungen und der eigenen Erlebnisse als Spieler kommen so viele Eindrücke auf einen zu, dass man sich wirklich erst einmal finden muss und seine Individualität ausprägen sollte.

 

 

Wenn man Talenten keine Steine in den Weg legt, fehlt mir der Sinn der Kooperation

 

 

Welche Schwierigkeiten siehst du in den nächsten Jahren auf den Handball im Breitensport zukommen?

 

Wir sollten noch mehr in Nachwuchs investieren. Durch den demografischen Wandel wird es immer schwieriger die jungen Spieler zu begeistern. Jugendspielgemeinschaften sollte es noch mehr geben, um der Jugend gute Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und das Potenzial zu bündeln.

 

Wie bereitest du deine Spieler auf den nächsten Gegner vor?

 

Im Montagstraining liegt der Schwerpunkt noch auf athletischen Dingen. Aber ab dem dienstags Training können schon situative Sachen des kommenden Gegners in das Training einfließen. Teilweise werden unser Auslösehandlungen auf den Gegner abgestimmt bzw. verändert. Am Spieltag gibt es noch ein Videostudium des Gegners, in dem die Schwerpunkte herausgestellt werden. Dabei geht es meistens um Abwehr- und Angriffssysteme des Gegners und eventuelle Schwerpunktspieler.

 

Was hältst du von Kooperationen zwischen kleinen und Bundesligavereinen?

 

Als ich als Jugendtrainer in Loxten tätig war, durfte ich eine sehr ambitionierte Jugendmannschaft betreuen. Aus dieser stehen auch einige Spieler in meinem heutigen Kader. Julian Possehl z.B. war in der B-Jugend stark umworben und verließ uns in Richtung Lemgo (spielt heute 2. Liga beim ASV Hamm anm. d. Red.).

 

Zu diesem Schritt fragte er auch nach meiner Meinung und ich legte ihm nahe, den Loxtener Verein zu verlassen und dort nach höheren Zielen zu streben. Er hatte einfach sein Leistungsvermögen noch nicht ausgeschöpft und ich habe im Verein keinen gesehen, der sich mit ihm 6-8 Mal pro Woche beschäftigt…

 

Wenn man das Leistungsvermögen objektiv beurteilt und Ausnahmetalente keine Steine in den Weg legt, dann fehlt mir leider der Sinn dieser Kooperation!

 

Wie jetzt?

 

Wenn man einen Spieler hat, der 2 Klassen besser ist, sollte der gehen dürfen. Aber das kann er dann bei einem seriös arbeitenden Verein ohnehin, dazu braucht der Spieler keinen Kooperationspartner. Zumal der Spieler sich dann den Verein aussuchen kann und nicht an einen möglichen Kooperationsvertrag gebunden ist.

 

Das wäre ja so, als würde ich sagen: „Ich will Bäcker werden!“ und du sagst: „Nein, du wirst Fleischer.“ Also wozu das ganze?

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Kommentare: 2
  • #1

    Nico Blythe (Donnerstag, 06 April 2017 18:34)

    Selten so ein gutes Interview gelesen. leider bin ich teilweise nicht der meinung von Thomas Lay. Seine Ansichten sind teilweise doch schon sehr verschwommen im bezug auf zusdammenarbeit.

  • #2

    Christian von Handballlinks (Freitag, 21 April 2017 09:07)

    Hallo Nico,
    ich fand das Interview sehr spannend und habe mich mehrfach mit Thomas Lay zusammentelefoniert, um das Thema gut rüber zu bekommen. Ich finde es ist ein ganz klarer Standpunkt den er Vertritt und auch gut begründet. Besonders sein letztes Beispiel verdeutlicht es anschaulich. Hast du oder Ihr Ideen was für Vorteile eine Kooperation mitbringen könnte? Für Spieler oder Verein??
    Viele Grüße

    Chris