Experiment - Begleitet mich bei meiner Handballsaison als Trainer

Kadervorstellung des Handballtrainers

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Hallo Freunde,

diese Saison starte ich ein kleines Experiment und ich hoffe einfach auf Zuspruch. Ich werde die gesamte Saison meine Erfahrungen, Trainingseinheiten und Eindrücke aus dem gehobenen Breitensport offenlegen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr aktiv mitwirkt. Kommentiert einfach, wenn euch etwas auffällt oder ihr Ideen habt. 

 

Das Internet ist eine anonyme Fläche, die Namen sind erfunden , aber die Geschichte beruht auf wahren Gegebenheiten. Ich werde einen Fokus auf die Trainertätigkeit legen und natürlich mein Verhalten unter Drucksituationen bewerten und analysieren. Ich bin mir sicher bei zahlreichen Momenten habt ihr ähnliche Erfahrungen und könnt Input geben.

 

Ich fange mit der Kadervorstellung an, analysiere dann die Stärken und Schwächen und die Herausforderungen, die ich aktuell für uns Trainer sehe. 

 

Los gehts:

Der Kern

Wir haben einen technisch sehr starken Spielmacher auf Mitte (Christian) mit Auge, der sich blind mit unserem Kreisläufer versteht und generell das Spiel verstanden hat.

 

Rückraumlinks (Alex) ist ein Bursche mit 1,80 m und einem sehr ansehnlichen Wurf.

 

Rückraum Rechts(Claas) ist ein Rechtshänder, der keine Schmerzen kennt, aber auch aus dem Rückraum werfen kann. Backup auf Mitte Linksaußen (Lukey) ist technisch sehr stark, sehr klein und leicht. Backup auf Mitte, was er gut macht aber ich zitiere „nicht kann“

 

 

 

Der Kreisläufer Rob ist sehr untypisch – 1,75 m groß, drahtig und schlank. Er kann also schlecht gegen körperlich Überlegene Gegner Sperren setzen oder sich körperlich durchsetzen – er muss alles spielerisch lösen. Da er aber einen sehr gutes Auge beim Wurf hat und technisch einiges drauf hat, wollen wir, das Trainerteam, ihn während der Saison im Rückraum einbauen.

 

Rechtsaußen haben wir keinen gelernten, da wir leider keinen Linkshänder in der Mannschaft haben.

 

Der erweiterte Kader (allesamt Neuzugänge)

 

 

Bei den Neuzugängen handelt es sich alles um quantitative Verstärkung, die die erste sieben entlasten sollen und müssen. Mit acht Spielern ist das schlichtweg auf hohem Niveau nicht möglich.

 

Auf Außen haben wir Dome, pfeilschnell aber koordinativ und technisch noch nicht auf dem Stand, den er haben könnte. 

 

Dazugekommen ist Mo, ein weiterer Außen, der noch schneller auf den Beinen werden kann , seine Tore erzielt er meist durch wühlen und ziehen bis zum Tor.

 

Sörenson ist körperlich auf A Jugendniveau, koordinativ und von der Schnelligkeit aber ausbaufähig. Er hat einen sehr starken Wurf, den er aber noch nicht ummünzen kann. Er wird im Rückraum und am Kreis eingesetzt werden.

 

Neuzugang Phil, eigentlich Fußballer der 2 Jahre Handballpause gemacht hat. Er misst 2m und stellt sich eigentlich sehr gut an, da erhofft sich das Trainerteam noch einiges. Er soll langfristig im Rückraum spielen, muss sich da aber erst noch reinbeissen.

 

Komplettiert wird der Kader mit 2 sehr guten Torhütern. Einer davon sammelt mit Doppelspielrecht in einer höheren Liga Erfahrung. Der eine Torwart Pat ist sehr gut, geht aber bei hohen Würfen immer mit den Armen nach unten. Der andere Maxim machts umgekehrt und muss bei der Beinarbeit noch besser werden.

Ist-Analyse und ein kleiner Rückblick

Nachdem wir zum Anfang der Saison auf Grund des kleinen Kaders vor der Auflösung standen, können wir jetzt mit insgesamt 11 Leuten (eventuell kommt noch einer nach seinem USA Aufenthalt dazu) aus dem Vollen schöpfen.

 

Fakt ist, wir haben leider die Oberligaqualifikation und Landesligaqualifikation nicht gepackt. Der Grund war der kleine Kader, taktische Fehleinschätzung des Trainergespanns ganz zum Anfang und auch die Einstellung gegen vermeintlich „einfache“ Gegner in der Qualifikation. Leider gehen die Spiele dort statt sonst 25 Minuten plötzlich 50, und das war mit 8 Leuten leider oft zu lang.

 

In der Summe geht die Bezirksliga in Ordnung, aber nächstes Jahr muss die Oberligaqualifikation gepackt werden, da sonst Mo, Pat und Alex definitv einen neuen Verein suchen (sollen, müssen, dürfen). Das wäre gleichbedeutend mit einer Abmeldung des gesamten Kaders. Von 11 Spielern gehen nächstes Jahr nämlich 3 in die A Jugend hoch. 

 

Dieses Jahr kann ein Großteil der Spieler auf einem Niveau agieren, dass sie fordert. 3 Spieler könnten höher spielen, aber wir können uns glücklich schätzen, dass sie nicht gewechselt sind.

 

Es gab Angebote, die aber schulisch bedingt nicht umsetzbar waren. Ein Wechsel hätte sehr weh getan, wäre aber vertretbar gewesen. Es wurde bei einem Spieler zumindest ein Doppelspielrecht zu organisiert, damit er höherklassik Erfahrung sammeln kann.

Challenges für das Trainerduo

Das heißt dieses Jahr für das Trainergespann einiges an Herausforderung

Neuzugänge müssen integriert werden

 

  • Schließen der Lücke zwischen Leistungsspielern und Hobbyspielern
  • Die einen müssen technisch besser werden, die anderen technisch noch weiter verfeinert
  • Für „beide Parteien“ (gute und neue Spieler) ein anspruchsvollen Training
  • Bei „Laune halten“ der Ausreißer nach oben, insbesondere mit einen angemessenen Training, dass Neuzugänge womöglich überfordert.
  • Verpflichtungen von Neuzugängen gegen Ende der Saison und Vorbereitung für die All in Qualifikation

Swotanalyse der Spieler und des Kaders

Hier die Swotanalyse der Spieler und des Handballkaders (sorry Leute ich studiere BWL)

Stärken (individuell)

 

  • Christian: Unterarmwurf, Stemmwurf, präzise Pässe, No Look Pässe, Passqualität, Antizipation, dem kann man keinen Ball abnehmen, Spielverständnis
  • Alex: Wurfkraft, Wurftechnik, Wurfbild, 1:1
  • Claas: Körper (obwohl eigentlich noch C Jugend), Antizipation
  • Rob: Umschaltspiel, Spielverständnis
  • Luckey: Wurfbild, Tempo
  • Dom: Einsatz, keine Schmerzen, Tempo
  • Sörenson: Körper, Wurfkraft
  • Mo: Absprungtechnik, wirft leider nur kurz
  • Phil: Beinarbeit, Größe
  • Torhüter beide überragend

Schwächen (individuelle Trainingsziele)

  • Christian: Körperlich zulegen, mehr Selbstvertrauen, in die Lücke ziehen und weniger Abspielen, Sprungkraft, Wurfkraft
  • Alex: Zusammenspiel mit Kreisläufer, nicht jeden Wurf nehmen (Trefferquote 70%), Beinarbeit, Abwehr (Beinarbeit, Antizipation), Sprungkraft
  • Claas: Koordination, Shooten, Spielübersicht, Zusammenspiel Kreisläufer, Sprungkraft
  • Rob: Körperlich zulegen, Technik im Rückraum, Sprungkraft
  • Luckey: Täuschungen auf Außen, Armhaltung beim Wurf, Sprungkraft
  • Dom: Koordination und Körperhaltung beim Wurf, Sprungtechnik
  • Sörenson: Schnelligkeit, Sperren, Technik Rückraum
  • Mo: Koordination, Spielverständnis, Abwehr
  • Phil: Wurftechnik, Armeinsatz in der Abwehr (durch Fußball bedingt)
  • Torhüter müssen 2. Phase schneller einleiten


Chancen (Kader)

Die Jungs haben die letzten Jahre immer nur zu 8. Handballtraining gehabt. Das heißt, sie sind allesamt technisch sehr gut, aber mannschaftstaktisch ausbaufähig. Ich muss nicht komplett beim Grundlagentraining wie Passen, Fangen und Werfen anfangen. Vereinzelt kann da zwar noch angegriffen werden, aber es hat nicht Priorität 1. 

 

Viel Potenzial verschenkt der Kader auf Grund des  Gegenstoßverhaltens, da die Spieler bisher nur "Halbgas" spielen konnten. Wenn wir hier als Trainer ansetzen, haben wir einen sehr starken Hebel. 

 

Das im Mix mit körperlicher Ertüchtigung hinsichtlich Explosivkraft und Maximalkraft sollte ein Türöffner für bisher knapp verlorene Spiele sein ( immerhin bekamen wir gegen den Bundesliganachwuchs von MT Melsungen ein 11:11 Unentschieden hin).

 

Außer Alex und Pat sind die Stammspieler klein und drahtig. Das bedeutet, dass wir weiterhin 3:2:1 oder 3:3 decken werden um die Gegner nicht in die Nahwurfzone kommen zu lassen. Das ist gleichbedeutend mit mehr Ballgewinnen und ergänzt sich gut zum Trainingsziel: Umschalten und 1.+2. Phase nach Ballgewinn.

 

Sobald Sörenson und Phil vollends in die Mannschaft integriert sind, können wir auf Grund ihrer Größe einen Versuch wagen und mit ihnen im Inneblock auf 6:0 umzustellen. Das aber nur als weitere Variante, ich bin Befürworter der 3:2:1 Deckung. 

 

Wir haben mit Rob einen sehr guten Kreisläufer gegen offensive Deckungen und hoffentlich bald mit Sörenson eine alternative zu körperlich überlegenden Spielern im 6:0 Verbund. 

 

Christian,Luke und Alex können gegen jede gegnerische Formation eingesetzt werden. Sie setzen sich gegen Defensive und offensive Deckungen durch und treffen auch die richtigen Entscheidungen. 

 

Claas hat momentan leider aus Kopfgründen die Handbremse gezogen, ich würde ihn gerne zusammen mit Rob im Rückraum zu der CLA-Kombo heranführen.

 

Risiken (Kader)

Die Topspieler sind sich ihrer Stellung bewusst und drohen mit Wechsel, falls das Training nicht anspruchsvoll ist oder die Ligaerfahrung nicht genügt. Wir machen uns da keine Sorge als Trainerteam, dennoch ist ein Divaverhalten beim Training zu beobachten, das gehandelt werden muss.

 

Dennoch ist in Verbindung mit den 3 Neuzugängen sicherlich nicht leicht zu ermöglichen.

Eine Lösung wäre Individualtraining - wobei ich lieber mit ihnen an mannschaftstaktischen Dingen arbeiten würde. 

 

Sollte die Saison nicht zufriedenstellend verlaufen oder die Trainingsqualität nicht in Ordnung sein, droht die Auflösung des Kaders. Der Druck ist auch seitens des Vereins nicht unerheblich. 

 

Take it or leave it - das ist die Devise dieses Jahr. 

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Kommentare: 2
  • #1

    THSA (Montag, 19 September 2016 12:30)

    So wie ich Dich verstehe redest Du von einer B-Jugend Mannschaft. Voll im Saft ;-). Es ist nicht entscheidend, wenn Du die Mannschaft halten willst, wie super Deine Analyse über jeden Einzelspieler ist. Das nützt Dir gar nichts. Du musst ein Team formen - schaffst Du das, dass die Jungs gemeinsam viel unternehmen und zusammen halten, so wechseln die dann auch in den seltensten Fällen. Ja es gibt vielleicht einer in der Mannschaft der die absolute Leistung sieht und wenn das nicht stimmt er wechseln will. Aber Du schaffst es nur über den Team / Spassfaktor wohin die Reise geht. (Vielleicht hat die 1. Aktiv Mannschaft noch eine Vorbildfunktion.)
    Ein anspruchvolles Training ist in dem Alter immer Grundvoraussetzung - wie härter wie besser. Die wollen gefordert werden.

  • #2

    Christian von Handballlinks (Mittwoch, 21 September 2016 17:35)

    Hallo THSA,

    danke für deinen Beitrag - du sprichst einen wichtigen Grund für Spieler an, das ist das Mannschaftsgefühl, das "Wir". Das werde ich auf jeden Fall in den nächsten Beiträgen mal näher beleuchten. Ich denke auch, dass das Mannschaftsgefühl ein Grund gewesen ist, weshalb die Spieler nicht gewechselt sind und sich das Jahr jetzt anschauen. Gut das du das hervorgebst, das behandel ich in dem Beitrag nämlich gar nicht.

    Mal sehen wie ich das umgesetzt bekomme, ein paar Ideen für härter und besser habe ich schon.

    Sportliche Grüße

    Chris